Organische Verbindungen – VOC im Innenraum

Begriffsbestimmung – VOC und organischen Verbindungen

  • VOC
    VOC ist die Abkürzung für „volatile organic compounds“. Darunter versteht man alle organischen Verbindungen, die bei normalen Bedingungen verdampfen können. Ausgenommen sind Chemikalien, die sehr leicht verdampfen und solche, die praktisch nicht verdampfen.
  • Lösemittel, Lösungsmittel
    Lösemittel oder Lösungsmittel sind oft VOC, die in verschiedenen Produkten eingesetzt werden. Dabei erfüllen sie immer die Aufgabe, das Produkt flüssig zu halten. Nachdem das Lösemittel verdampft ist, wird das Produkt fest. Oft bleiben Reste des Lösemittels im fertigen festen Produkt zurück.
  • Organische Verbindung
    Eine organische Verbindung ist eine Chemikalie. Sie besteht zu einem Großteil aus dem Element Kohlenstoff. Lebewesen sind aus diesen Chemikalien aufgebaut. Daher kommt der Wortbestandteil „organisch“. VOC und Lösemittel sind fast immer organische Verbindungen.
  • TVOC Wert
    Unter dem TVOC Wert versteht man die Summe aller VOC, die zum Beispiel in einer Probe gefunden wurden.
  • Aromaten
    Aromaten sind eine Gruppe von organischen Verbindungen. Dabei besteht das Grundgerüst dieser VOC immer aus 6 Kohlenstoffatomen. Diese sind zu einem Ring angeordnet. Dadurch ergibt sich eine sehr stabile Verbindung. Der Name von Aromaten endet oft mit der Silbe „-ol“, z.B. Benzol.
  • Aldehyde
    Eine andere Gruppe von Chemikalien sind Aldehyde. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass am Ende des Moleküls ein Sauerstoff Atom hängt. Viele dieser Stoffe können wir auch riechen. Sie riechen stechend, grün und fettig. Der Name von Aldehyden endet oft mit der Silbe „-al“, z.B. Hexanal.
  • Formaldehyd
    Formaldehyd ist ein sehr kleines Molekül. Es besteht aus einem Kohlenstoff, zwei Wasserstoff und einem Sauerstoffatom. Durch seine geringe Masse verdampft es sehr leicht. Daher wird Formaldehyd nicht zu den VOC gezählt.

Aromaten im Innenraum

VOC organische Verbindungne

Typische VOC und ihre Gefahrkennung

Aromaten kommen in vielen verschiedenen Produkten vor. Sie bilden oft das Grundgerüst von Kunststoffen. Aber auch viele Lösemittel sind Aromaten. Entsprechend finden wir sie auch in der Raumluft. Typisch sind hier Toluol oder Xylol. Die Quellen für diese Stoffe sind Plastik, Lacke und Farben. Treten größere Mengen auf, sollte man auch über Heizöl, Reinigungsbenzin oder Kraftstoff als Ursache nachdenken. Aromaten wirken sehr unterschiedlich auf den Körper. Manche wirken direkt reizend. Andere machen müde und schlapp.

Aldehyde in der Wohnung

Neben Formaldehyd kommen oft noch Hexanal oder Nonanal in Wohnungen vor. Sie stammen oft aus Kunststoffen. Aber auch Reinigungsmittel oder Kosmetika können Quellen sein. Aldehyde kann man oft riechen. Sie wirken reizend. Typische Symptome sind Husten oder tränende Augen.

Formaldehyd in der Wohnung

Formaldehyd ist das bekannteste Aldehyd. Es wurde und wird viel verwendet. Zum Beispiel in Schaumstoffen oder als Konservierungsmittel in Kosmetika. Oft wird es auch in Spanplatten nachgewiesen. Dazu kommt es auch in allen Lebewesen als Stoffwechselprodukt vor. So geben gerade Nadelhölzer deutliche Mengen Formaldehyd ab. Auch dieses Aldehyd wirkt reizend. Ist man dem Stoff lange ausgesetzt, kann sich sogar Krebs entwickeln. Mehr zu Formaldehyd erfahren sie hier.

Gerüche im Zimmer

Viele VOC und organischen Verbindungen riechen. Die menschliche Nase ist für mache Stoffe sogar empfindlicher als die chemische Analytik. Dabei kann man deutliche Unterschiede zwischen den Menschen erkennen. Was der eine kaum wahrnimmt, stinkt dem anderen schon gewaltig. Wenn man in seiner Wohnung einen Geruch wahrnimmt, kann das ein Warnsignal sein. Man sollte diesem Signal nachgehen. Auch wenn wir oft Stoffe riechen, die völlig harmlos sind. Aber sie können einen Hinweis auf Gefahrenquellen geben.

VOC messen

Es gibt verschiedene Wege VOC in der Raumluft zu messen. Standardverfahren ist die Sammlung auf einem Granulat. Danach werden die gesammelten Stoffe im Labor analysiert. Dazu kommt ein Gaschromatograph-Massenspektrometer zum Einsatz. Mit diesem Gerät lassen sich alle Stoffe einzeln bestimmen. Diese Methodik wird auch bei den WaLuCheck Luftuntersuchungen angewendet. Es gibt aber auch Sensoren, die organische Verbindungen messen können. Diese werden PID und FID genannt. Mit diesen Sensoren wird der TVOC Wert gemessen. Denn sie können keine einzelnen Stoffe erfassen. Dann gibt es noch Sensoren, die empfindlich auf VOC reagieren, sie aber nicht korrekt erfassen können. Das liegt daran, dass diese Sensoren auch auf andere Stoffe empfindlich reagieren, zum Beispiel auf Luftfeuchtigkeit. Allerdings zeichnen sie sich durch einen sehr niedrigen Preis aus. Während FID oder PID mindestens 500€ im Einkauf kosten, sind diese für ca. 1€ zu haben. Daher kann man davon ausgehen, dass in Messgeräten für unter 3000€ billige Sensoren verbaut sind, die nicht korrekt messen.

Langfristige gesundheitliche Folgen durch VOC

Ist man VOC länger ausgesetzt, so führen manche zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen. So ist die krebserregende Wirkung von Formaldehyd nachgewiesen. Phenol ist ein Aromat, der in Innenräumen auftreten kann. Dieser Stoff wirkt in höheren Konzentrationen akut ätzend. Bei langfristiger Aufnahme treten Nervenschäden und Schäden an Leber und Niere auf. Allergieauslösend wirkt zum Beispiel 2-Phenoxyethanol. Eine Substanz, die auch in Kosmetik eingesetzt wird. Ein weiteres Beispiel für ein sehr kritisches Aldehyd ist das Acrolein oder 2-Propenal. Es wirkt stark toxisch. Es wirkt krebserzeugend und schädigt die Leber. Organische Säuren wirken üblicherweise ätzend, haben aber kein toxisches Potential. Eine Ausnahme bildet die 2‑Ethylhexansäure. Sie wirkt reproduktionstoxisch.

Wie kann man sich schützen?

Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten, sich vor zu hohen Belastungen mit VOC zu schützen. Vermeiden oder Abführen.

VOC vermeiden

Farben Lacke Lösemittel

Farben, Lacke und Lösemittel können Quellen für VOC sein

Schon bei der Planung einer Wohnung sollte man auf emissionsarme Produkte achten. Zum Beispiel sind geeignete Baustoffe durch den blauen Engel oder das AgBB Zeichen gekennzeichnet. Allerdings bieten selbst diese Siegel keinen hundertprozentigen Schutz. Dagegen sagen Kennzeichnungen mit den Begriffen „Bio“ oder „Öko“ nichts über das Emissionsverhalten aus. Besonders emissionsarm sind Produkte, die bei der Produktion hohen Temperaturen ausgesetzt waren. Das sind etwa Ziegel, Glas und Keramik. Dagegen können viele VOC aus Produkten ausgasen, die Lösemittel enthalten oder enthalten haben. Das sind z.B. Farben, Lacke, Reinigungsmittel (Terpentin, Reinigungsbenzin), Dämmschäume oder Kosmetik.

VOC abführen

Meist lässt es sich nicht vermeiden, dass VOC in einen Raum eingebracht werden. Um die Belastung zu senken, müssen sie nun wieder abgeführt werden. Das geschieht am einfachsten durch Lüften. Gerade bei modernen dicht gebauten Wohnungen ist es wichtig, regelmäßig die Fenster zu öffnen. Allerdings kann man nicht immer so viel Lüften, wie man gerne möchte. Daher werden immer mehr Klimaanlagen installiert, die belastete Luft abführen sollen. Das ist bei hohen Lüftungsraten eine gute Möglichkeit. Bei Lüftungsanlagen muss dringend darauf geachtet werden, dass die Filter sehr regelmäßig getauscht werden. Raumluftfilter, die als Einzelgeräte aufgestellt werden sind nur eine kurzfristige Lösung. Diese Geräte scheiden die VOC auf Aktivkohlefiltern ab. Diese sind i.d.R. nach relativ kurzer Zeit voll. Dann werden bereits aufgenommene Schadstoffe wieder abgegeben. Absolut keinen positiven Effekt haben Filter mit Ionisierung oder gar mit Ozonerzeugung. Vor solchen Produkten ist dringend abzuraten. Sie gefährden in der Regel die Gesundheit der Nutzer.