Der kluge Keim wohnt im Wasser

Der beste Übertragungsweg

Jeder Krankheitserreger, der einen Wirt infizieren will, hat ein Problem. Er muss in dessen Körper gelangen. Dazu muss er die Abwehrbarrieren des Wirts überwinden. Eine sehr erfolgreiche Möglichkeit in einen Körper zu gelangen ist, sich huckepack mit lebenswichtigen Stoffen aufnehmen zu lassen.
Die Stoffe, die praktische jedes Tier am meisten zu sich nimmt sind Wasser und Luft. Deshalb ist es für Krankheitserreger sehr effektiv, im Trinkwasser vorzukommen. Das beweisen die großen Epidemien früherer Zeiten, wie Cholera oder Ruhr. Und auch heute noch finden sich Bakterien im Trinkwasser.

Wieviel Keime sind im Trinkwasser

Süßwasser ist ein ausgezeichneter Lebensraum für Bakterien und Viren. Durch erhebliche Hygiene- und Aufbereitungsmaßnahmen gelingt es den Wasserversorgern oft, keimarmes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Eine komplette Keimfreiheit ist allerdings nicht möglich. Deshalb gestattet die Trinkwasserverordnung 100 KbE pro ml. Eine KbE ist eine Keimzelle, aus der eine Bakterienkolonie entstehen kann. Wird die Trinkwasserversorgung über einen Hausbrunnen realisiert, sind sogar 1000 KbE pro ml zulässig. Dabei ist es erst einmal unerheblich, um welche Arten von Bakterien es sich handelt.

Typische Krankheitserreger

Escherichia Coli

Ein bekannter Erreger, der auch bei Routineanalysen im Trinkwasser ermittelt wird, ist Escherichia coli. Dieser keim kommt im Darm von Menschen vor und wird deshalb als „Fäkalindikator“ im Trinkwasser verwendet. Dabei sind die meisten Stämme harmlos. Im Jahr 2011 kam es in Norddeutschland jedoch zu einem Ausbruch von EHEC, eines bestimmten Unterstammes der E. coli. Durch umfangreiche Maßnahmen konnte der Ausbruch relativ schnell eingedämmt werden, so dass nur ca. 4000 Personen erkrankten. Von diesen starben 53

Pseudomonas Aeruginosa

Oft wird übersehen, dass auch das Spülen von Wunden mit kontaminiertem Wasser einen wichtigen Infektionspfad darstellt. Auf diesem Weg können an sich unkritische Erreger hoch gefährlich werden. So kommt Pseudomonas aeruginosa häufig in feuchtem Milieu vor. Er bildet sehr leicht Biofilme und überlebt so auch schwierige Umweltbedingungen. Gelangt P. aeruginosa in offene Wunden, so kann er schwere Infektionen auslösen. Besonders gravierend ist dabei, dass es zahlreiche antibiotikaresistente Stämme gibt. Dadurch ist keine medikamentöse Behandlung einer infizierten Wunde möglich.
Typische Erreger im Trinkwasser äußern sich meist durch Durchfallerkrankungen. Ganz anders verhält es sich mit Legionellen. Gelangen dies in den Verdauungstrakt, richten sie dort keinen Schaden an. Kritsch wird es, wenn diese Bakterien in die Lunge gelangen. Das passiert, wenn Wasser als feine Tröpfchen in die Luft gelangt und dann eingeatmet wird, z.B. beim Duschen oder bestimmten Arten von Luftbefeuchtern. In der Lunge verursachen Legionellen eine schwere Form der Lungenentzündung.

Biofilme

Eine besondere Eigenschaft macht gerade Bakterien zu schwer bekämpfbaren und sehr effektiven Krankheitserregern. Sie könne so genannte Biofilme bilden. Dazu siedeln sich die Keime nicht einzeln an, sondern bilden eine Kolonie. Die Kolonien organisiert sich in geringem Umfang selbst. So werden Versorgungskanäle gebildet und abgestorbene Zellen an die Außenseite der Kolonie transportiert. Dort bilden Sie eine Haut, die die im Inneren lebenden Zellen vor Austrocknung, Fraßfeinden, chemischen Belastungen und ähnlichem schützt. Deshalb sind Biofilme sehr schwer zu bekämpfen.

Stehendes Wasser

Einige Faktoren begünstigen die Bildung eines Biofilms erheblich. Es müssen ausreichend Bakterien vorhanden sein, um die Kolonie zu bilden. Bakterienkolonien könne sich an unebenen Oberflächen besser ansiedeln und bei Strömung viel besser halten, als an glatten. Strukturen in Leitungen können durch die Ablagerung von Kalk und die Korrosion von Leitungsmaterial ausgebildet werden. Alle diese Bedingungen könne besonders leicht in stehendem Waser ausgebildet werden. Hier können sich Bakterien vermehren, Kalk ausfallen und schließlich ein Biofilm gebildet werden. Deshalb sind Biofilme insbesondere in alten Wasserleitungen häufig.

Wie kann man sich schützen?

Chemische Desinfektion

Wasser aus dem Trinkwassernetz enthält praktisch immer Bakterien. Ob diese pathogen, also krankheitsauslösend sind, hängt von der Art und Situation ab. Will man auf Nummer sicher gehen, gibt es verschiedene Techniken, um Wasser zu entkeimen.
Durch bestimmte Chemikalien können Bakterien im Waser abgetötet werden. Chlorverbindungen und Ozon kommen dafür zum Einsatz. Die gesundheitliche Belastung für Menschen durch diese Stoffe wird nach wie vor diskutiert.

Physikalische Desinfektion

Um sicher alle Keime abzutöten ist es am einfachsten, Wasser zu kochen. Da manche Keime kurzfristig auch sehr hohe Temperaturen aushalten, empfiehlt es sich, das Wasser min. 10 min bei 100°C zu halten.
Die Industrie bietet mechanische Bakterienfilter an. Diese können sowohl vor dem Wasserhahn, als auch als Duschkopf montiert werden. Keime passen nicht durch die Filterporen. Bei Daueranwendung wird die Wirksamkeit mit 2 Monaten angegeben.
Sehr wirkungsvoll ist die Entkeimung von Trinkwasser mittels UV Licht. Diese Methode ist sicher wirksam, über lange Zeit stabil und kommt ohne Chemikalien aus. Erst wenn die Strahlstärke der Lampe nachlässt, muss sie ausgetauscht werden.